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Ev. luth. Kirchengemeinde Langenholtensen
Kreis Northeim - Südniedersachsen



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Suche Frieden und jage ihm nach
Predigt von Luitgardis Parasie über Psalm 34,15 am 6.1.2019 in Langenholtensen

Monatelang hatte er sie betrogen und belogen. Dann war alles aufgeflogen, und er hatte ihr eröffnet, dass er sich trennen und mit der neuen Frau leben wollte. Sie war am Boden zerstört. Nun tut sie alles um die Kinder von ihm fern zu halten. Sie führen einen erbitterten Streit um Unterhalt und Sorgerecht.
Suche Frieden und jage ihm nach.

Ein Mann fährt an Silvester in mehrere Menschengruppen. Er verletzt 8 Menschen teilweise schwer. Bei seiner Vernehmung gibt er an, die vielen Ausländer seien ein Problem für ihn, das er lösen wolle.
Suche Frieden und jage ihm nach.

Die beiden Nachbarfamilien grüßen sich nicht mehr. Erst stritt man sich um das zu laute Klavierspielen, dann um die Höhe der Hecke zwischen den Grundstücken, dann um einen Baum, der die Sicht aus dem Küchenfenster nahm. Inzwischen verkehrt man nur noch über den Rechtsanwalt.
Suche Frieden und jage ihm nach.

China droht Taiwan gewaltsam zu integrieren. Zwischen Russland und der Ukraine ist keine diplomatische Lösung in Sicht. In Syrien herrscht das despotische Assad-Regime wieder fast uneingeschränkt. Trump will eine Mauer gegen mexikanische Flüchtlinge bauen.
Suche Frieden und jage ihm nach.

Liebe Gemeinde,
das ist doch eine Ermahnung, mit der wir vollkommen überfordert sind. Politisch und privat. Als moralische Aufforderung hilft uns das nicht viel weiter. Da muss was anderes kommen, was diesen Kreislauf durchbricht. So wie in einer Geschichte von James Krüss:

In Montenegro, dem Land der Schwarzen Berge, lebte einst ein Junge mit Namen Blascho. Er war ein nachdenklicher, friedliebender Junge. Sein Vater nannte ihn immer „Lamm" und fragte sorgenvoll, was machen wir nur, wenn die Wölfe kommen? Sein Vater war der Anführer des Stammes.

Zu jener Zeit gab es im Land der Schwarzen Berge noch die Blutrache. Man erschoss und erschlug Männer aus anderen Stämmen, weil jene zuvor Männer des eigenen Stammes umgebracht hatten. Eine Kette von Morden ohne Ende. Blascho zitterte wie die Frauen, wenn in den Bergen ein Schuss fiel.
Der Junge las viel in der Bibel. Er las dort Sätze, die er noch nie aus dem Munde seiner Landsleute gehört hatte. Da stand, dass man seinen Feinden vergeben, ja sie sogar lieben solle. Blascho sah vor seinem inneren Auge seinen Onkel Petar vor sich. Schreiend war er eines Tages unter dem Granatapfelbaum im Garten zusammengebrochen. Zwischen seinen Fingern, die er auf seine Brust presste, quoll Blut hervor. „Rächt mich. Es waren die Djuranowitschi“, rief er. Dann brach seine Stimme und er starb. Blaschos Vater hatte den Mörder erstochen, dafür hatten die Djuranowitschi den jüngsten Bruder des Vaters erschlagen. Die blutige Fehde ging immer weiter. Blascho sah keinen Sinn darin. Er dachte an die Sätze aus der Bibel. Er sehnte sich nach Frieden.

Darum freute er sich sehr, als er hörte, dass sein Stamm mit den feindlichen Djuranowitschi Frieden schließen wollte.
Auf einer Wiese standen sie sich gegenüber, die beiden Stämme. Ohne Ende verklagten sie sich gegenseitig und rechneten die Zahl der Toten gegeneinander auf. Da hob Blaschos Vater die Hände und erinnerte sie: Wir wollten doch Frieden schließen: „Wer dafür ist, stehe auf“, rief er. Die ersten sprangen auf. Andere zögerten, schließlich standen alle. Bis auf eine.
Die alte Andja Djuranowitsch. Sie schrie: „Nein, kein Friede, ehe mein Sohn gerächt ist! Ich kennen seinen Mörder, dort steht er!“ Blitzschnell zog ihr jüngster Sohn die Pistole und schoss. Lärm entstand. Kinder weinten. Hände fuhren an die Pistolen. Da brüllte Blaschos Vater die Leute an: „Wer ist getroffen?“ Es wurde still. Keiner antwortete. Blaschos Vater wandte sich den Djuranowitschi zu. „Wäre einer von uns getroffen, lebte Andjas jüngster Sohn jetzt nicht mehr. Du hast deinem Sohn den Krieg befohlen, Andja, nun befiehl ihm den Frieden!“ Mit verschlossenem Gesicht erhob sich als Letzte die alte Frau.

„So sei denn Friede!“ rief Blaschos Vater und schlug das Kreuz. Die Familien brachen auf. Der jeweilige Hausherr ritt, der älteste Sohn führte das Pferd, die übrigen folgten. Blaschos Vater rief seinen Sohn, sein Pferd zu übernehmen. Aber Blascho antwortete: „Ich kann nicht, Vater. Du muss mich aufsitzen lassen.“ – „Wie bitte?“ Blaschos Vater fuhr herum und sah erst jetzt seinen Sohn, der blass und nach vorn gekrümmt im Gras saß. Blut war an seinem Leinenhemd. „Ich bin getroffen worden“, sagte Blascho. „Aber keiner hat es gemerkt. Der Doktor hilft mit bestimmt.“ Der Vater stand fassungslos vor seinem Sohn: „Warum hast du nichts gesagt?“ – „Sonst hätte es keinen Frieden gegeben, Vater.“ – „Ein Friede, der mit dem Blut eines Kindes erkauft ist?“ – „Der Arzt kuriert mich bestimmt. Vater. Und mein bisschen Blut spart so viel anderes Blut.“

Plötzlich merkte Blaschos Vater, dass der Junge schwer atmete, Schmerzen hatte und einer Ohnmacht nahe war. Er hob ihn auf und setzte ihn auf sein Pferd. Wer noch auf dem Versammlungsplatz war, sah, dass etwas Unerhörtes geschah: Der Älteste eines Hauses führte für seinen Sohn das Pferd. Ein Djuranowitsch rief spöttisch: „Glaubst du, im Frieden müssen die Wölfe die Lämmer hüten?“ Blaschos Vater antwortete: „Dieses Lamm hat den Frieden mit seinem Blut bezahlt. Andjas Sohn hat ihn getroffen. Er aber hat keinen Laut von sich gegeben.“
Da schrien die Frauen auf. Die Männer ringsum aber betrachteten staunend den Jungen auf dem Pferd.

Ein Friede, der mit dem Blut eines Kindes erkauft ist. Ich weiß nicht, ob James Krüss bewusst war, wie überaus symbolisch seine Geschichte ist. Denn genau das trifft ja für das Kind in der Krippe zu: Sein Weg führt ans Kreuz. Christus, das Lamm Gottes. Dieses Lamm hat den Frieden mit seinem Blut bezahlt. Als er gequält wurde, tat er seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird – so beschreibt es der Prophet Jesaja. Jesus ist wegen unserer Schuld verwundet und wegen unseres Unfriedens zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, damit wir Frieden hätten. Frieden mit Gott. Wir haben es eben aus dem Epheserbrief gehört: Durch Jesus Christus seid ihr, die ihr bisher fern von Gott gewesen seid, nah geworden durch das Blut Christi. Denn er ist unser Friede, er hat abgebrochen den Zaun, der dazwischen war, nämlich die Feindschaft, und hat uns versöhnt mit Gott.

Die Mauer ist weg zwischen Gott und uns. Denn Christus hat für uns Frieden geschlossen mit Gott. Er ist unser Friede. Nimm das im Glauben an, und Friede kommt in dein Herz.
Und dieser Friede will sich dann auch in deinem Leben ausbreiten. Du kommst nicht mit deinem Mann klar? Bring ihn vor Christus. Deine Kollegin macht dir das Leben schwer? Bring sie vor Christus. Die politische Situation in deinem Land macht dich verrückt? Bring es vor Christus. Wenn du das tust, wird es nicht ohne Folgen bleiben. Allerdings, es kann sein, dass du dabei nicht ungeschoren davonkommst. Vielleicht wird Jesus dir zeigen, dass du einen ungewöhnlichen Schritt tun musst. Einen unbequemen Weg gehen sollst. Etwas ausprobieren sollst, was du noch nie gemacht hast. Aber er wird dir dabei helfen. Du wirst merken, dass Frieden harte Arbeit kosten kann, dass Frieden aber auch ansteckend sein kann. Und dass Frieden mehr ist als einfach ein Waffenstillstand.
Suche Frieden und jage ihm nach. Das heißt also zuallererst: Suche Christus. Und dann mit Christus zusammen dem Frieden nachjagen.

Im Oktober 2018 bekam der kongolesische Arzt Dr. Denis Mukwege den Friedensnobelpreis verliehen.
Denis Mukwege wuchs im Kongo auf. Der Kongo ist wegen seiner Bodenschätze eins der reichsten Länder der Welt. Zugleich hat er eine bitterarme Bevölkerung, weil wegen fehlender politischer und juristischer Strukturen alles Geld durch Korruption und Gewalt nur wenigen zugute kommt. Es gibt keine Gerichtsbarkeit, überall herrschen Warlords und das Recht des Stärkeren. Der Vater von Denis Mukwege war Pastor. Denis wuchs im Glauben auf, und der Glaube an Jesus Christus ist bis heute das tragende Fundament seines Lebens. Wenn Denis seinen Vater zu Krankenbesuchen begleitete, wurde er unmittelbar mit dem Elend der Menschen im ständig umkämpften Ostkongo konfrontiert. Schon  mit 8 Jahren wollte er Arzt werden.

Er studierte Medizin und machte eine Facharztausbildung zum Gynäkologen in Frankreich. In vielen einzelnen Etappen erlebte er auf wundersame Weise, wie Gott ihn führte und seinen Weg ebnete. Zurück im Kongo gründete er in Bukavo ein Krankenhaus. Bis heute finden dort schlimme Kämpfe rivalisierender Gruppen statt. Frauen werden auf brutalste Weise vergewaltigt und misshandelt. Das Panzi-Krankenhaus von Mukwege wurde bald ein Zentrum für die schwer verletzten und seelisch gebrochenen Frauen. Seit 1998 operierten Dr. Mukwege und sein Team über 40.000 vergewaltigte Frauen und versuchen, ihnen wieder eine Lebensperspektive zu geben. Oft unter Gefahr für ihr eigenes Leben. Einmal überlebte Denis Mukwege nur knapp einen Mordanschlag.

Christus ist unser Friede. Das ist für den gläubigen Christen Denis Mukwege Ermutigung und Auftrag zugleich. Jeder Tag in seinem Krankenhaus beginnt mit einer Andacht, mit Gottes Wort, Liedern und Gebet. Und so betet und arbeitet er Tag für Tag um der Gewalt und der Zerstörung in seinem Land Heilung und Frieden entgegenzusetzen.

Am Ende seines Buches „Meine Stimme für das Leben“ schreibt er: „Die Frauen sollen wissen, dass das Panzi-Krankenhaus ein Ort des Friedens ist, an dem jede von ihnen willkommen ist. Ich werde meine Arbeit dort fortführen und niemals aufhören, für den Frieden und für das Leben meine Stimme zu erheben. Meine Strategie ist es, dem Hass umso mehr Liebe entgegenzusetzen und damit zu zeigen, dass das Böse nicht das letzte Wort hat.“

Suche Frieden und jage ihm nach. Dennis Mukwege ist einer, der das unter Einsatz seines Lebens täglich tut. Und der zugleich weiß, dass man sich den Frieden immer wieder erbitten muss. Ist Ihnen eigentlich bewusst, dass wir das in jedem Gottesdienst auch tun? Denn das letzte Wort in jedem Gottesdienst ist Frieden. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.
Ich möchte schließen mit einem Gebet des Franz von Assisi.

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich liebe, wo man sich hasst;
dass ich verzeihe, wo man sich beleidigt;
dass ich verbinde, wo Streit ist;
dass ich die Wahrheit sage, wo der Irrtum herrscht;
dass ich den Glauben bringe, wo der Zweifel droht;
dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;
dass ich ein Licht entzünde, wo die Finsternis regiert;
dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.
Herr, lass du mich trachten,
nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;
nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;
nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.
Denn wer sich hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben. Amen